Ist Nachhaltigkeit tot? Ganz im Gegenteil.
In den letzten Monaten liest man öfter, Nachhaltigkeit sei „durch“. Zu viel Regulierung, zu viel Reporting, zu wenig Begeisterung. Gleichzeitig dominiert AI die Schlagzeilen. Der Eindruck entsteht: Das eine löst das andere ab. Unsere Perspektive: Nachhaltigkeit ist nicht verschwunden, sondern gerade dabei, ihren Platz neu zu finden – näher am Kerngeschäft, weniger als Label, mehr als Grundlage für Entscheidungen.
Warum dieser Eindruck entsteht
Lange Zeit war Nachhaltigkeit stark mit Symbolik verbunden: Kampagnen, Leitbilder, bunte Berichte. Viele Unternehmen haben damit angefangen, ohne dass sich der Alltag spürbar verändert hat. Gleichzeitig wächst der Druck: CSRD, Lieferkette, Klimarisiken – das fühlt sich für manche eher nach Pflicht als nach Chance an. Wenn dann AI kommt und plötzlich sichtbare Effizienzgewinne bringt, wirkt Nachhaltigkeit schnell wie ein Thema „von gestern“.
Was sich gerade wirklich verändert
In der Praxis sehen wir: Nachhaltigkeit wandert von der Kommunikationsabteilung in die Steuerungsebene. Sie wird messbar, verpflichtend und finanziell relevant. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass:
Klimarisiken und ESG-Faktoren in Investitionsentscheidungen einflieĂźen.
Lieferketten nicht nur nach Kosten, sondern auch nach Risiko und Compliance bewertet werden.
Energie- und Ressourceneffizienz zu direkten Wettbewerbsfaktoren werden.
Kurz gesagt: Nachhaltigkeit wird weniger erzählt – und stärker gerechnet. Genau das macht sie zukunftsfähig.
Welche Rolle AI dabei spielt
AI ist kein Ersatz für Nachhaltigkeit, sondern ein Verstärker. Sie hilft, das zu tun, was bisher oft gefehlt hat:
Daten zu erfassen und zu strukturieren, statt sie manuell zu sammeln.
Szenarien, Risiken und Potenziale sichtbar zu machen, statt mit Annahmen zu arbeiten.
Routinen im Reporting, Monitoring und in der Risikosteuerung zu automatisieren.
So wird aus „Wir müssten mal“ Schritt für Schritt ein Betrieb, in dem Nachhaltigkeit Teil ganz normaler Entscheidungslogik ist – von Einkauf bis Produktentwicklung.
Was Unternehmen jetzt tun können
Statt zu fragen „Ist Nachhaltigkeit tot?“ lohnt sich eine andere Frage: Wo ist Nachhaltigkeit heute in unserem Alltag konkret verankert? Zum Beispiel:
Sind Energie- und Ressourcenkosten feste Steuerungsgrößen, oder nur eine Nebenkennzahl?
FlieĂźen Nachhaltigkeitsrisiken in Lieferanten- und Standortentscheidungen ein?
Nutzen wir digitale Tools und AI, um diese Themen kontinuierlich zu steuern – oder nur für jährliche Berichte?
Der nächste Schritt ist, Initiativen, Daten und Projekte gezielt zu verbinden: bestehende Digitalisierungsbausteine nutzen, um Nachhaltigkeit einfacher, schneller und genauer zu machen.
Unser Fazit
Nein, Nachhaltigkeit ist nicht tot. Sie verliert nur den Status als Modebegriff – und gewinnt an Bedeutung als Teil der ganz normalen Unternehmenssteuerung. Wer das mitdenkt und AI klug einsetzt, macht aus Druck eine Ressource: für effiziente Prozesse, robustere Geschäftsmodelle und eine Zukunft, die nicht nur geplant, sondern aktiv gestaltet wird.